Ganztagsanspruch und -wirklichkeit

Wie vor längerer Zeit auf Bundesebene beschlossen, startet dieses Jahr nach den Sommerferien der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter, zunächst für die dann eingeschulten Erstklässler·innen. Aus diesem Anlass haben wir am Montag, 19.01., den geschäftsführenden Vorsitzenden von Postillion e. V., Stefan Lenz, und unsere Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Fadime Tuncer zu uns nach Dossenheim zu einem Vortrag mit Diskussion eingeladen.

Foto: M. Delbrück

Bei dieser trotz Kälte und kurzfristigem Ortswechsel gut besuchten Veranstaltung brachte der Referent einen prägnanten Überblick über Situation und Perspektiven der Kinderbetreuung. Der jetzt startende Rechtsanspruch ist demzufolge eine Erweiterung der Rechtsansprüche auf einen Kiga-Platz (1990er-Jahre) und auf Kleinkindbetreuung ab 1 Jahr (2013). Er lässt sich auf drei Wegen erfüllen:

  • Ganztagsschule – hier ist das Land zuständig, das Angebot ist kostenfrei für die Eltern, aber verpflichtend (Schulpflicht!). Nur für Ferienbetreuung und Mittagessen bleibt die Gemeinde zuständig (das ist unter Umständen nicht leicht zu stemmen!).
  • Halbtagsschule mit eigenständigen Angeboten von freien und/oder kommunalen Trägern. Hier ist die Teilnahme grundsätzlich freiwillig, es fallen aber Elternbeiträge an.
  • Halbtagsschule mit „klassischem“ oder innovativem Hortangebot (z. B. „Waldhort“). Auch hier gilt: freiwillig, aber Elternbeiträge.

Wie Fadime Tuncer aus der Landespolitik berichtete, überlässt Baden-Württemberg die Entscheidung über das Betreuungsmodell den Gemeinderäten, bisher hatte in der Regel die Schulkonferenz das letzte Wort. Eine wichtige Neuregelung ist zudem, dass das Land künftig für Hort- und andere außerschulische Ganztagsbetreuung 68 % der laufenden Betriebskosten erstattet, wie es bei Krippen und Kitas bisher schon der Fall war. Da zudem der Bund Investitionskosten für die benötigte Infrastruktur übernimmt, liegen die Modelle „Ganztagsschule“ und „Halbtagsschule+“ finanziell für die Kommune weniger weit auseinander als ursprünglich gedacht bzw. befürchtet.

Neben der gerade an einer Ganztagsschule ungeklärten Ferienbetreuung stellen auseinandergehende Elternwünsche, der zunehmende Bedarf an Schulsozialarbeit und die Personalsituation der Anbieter die größten aktuellen Herausforderungen dar. In letzterem Punkt zeichnet sich allerdings eine gewisse Entspannung ab, da die Geburtenzahlen seit 2021 deutlich rückläufig sind. Dieser Trend dürfte zwar auch – sollte er anhalten oder sich noch verstärken – zu Problemen führen, setzt aber zunächst einmal pädagogische Fachkräfte im U3- und Ü3-Bereich frei, die für Ü6 dringend gebraucht werden.

Die Diskussionen während des Vortrags und im Anschluss bezogen sich vor allem auf die Situation in Dossenheim – welche bisherigen Angebote werden wie weitergeführt? Welche Flexibilität muss sein und wie viel ist darstellbar (und zu welchem Preis)?

Wir werden das Thema im Gemeinderat weiter verfolgen und bieten allen Interessierten an, mit uns in Kontakt zu treten und zu bleiben.